Stadtteileltern

„Stadtteileltern machen’s vor“ heißt der aktuelle Förderschwerpunkt der Bürgerstiftung Nürtingen und Umgebung. In einigen Kindergärten sind die Stadtteileltern-Tandems, die aus einer zweisprachigen Migrantin und einer Deutschen bestehen, bereits aktiv. Im Kindergarten der Silcherstraße in Neckarhausen, im Rossdorf und in den Kindergärten der Kirchheimer Vorstadt fungieren die Stadtteilmütter als Ansprechpartner und Bindeglied für die Migranteneltern der Kindergartenkinder.

 

In regelmäßigen Treffen können die Eltern mit Migrationshintergrund mit „ihren“ Stadtteileltern über alles sprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Darin liegt bereits der erste positive Effekt für die Teilnehmerinnen, deren Kinder während dieser Zeit in bekannter Umgebung im Kindi spielen können. „Am Anfang haben sich viele nicht getraut, offen zu sprechen, weil ihr Deutsch noch nicht so gut ist. Aber sie haben sich schnell geöffnet und sprechen nun einfach drauf los“, berichtet Aleksandra Shala. Die Kroatin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, bildet gemeinsam mit Silke Hirning in Neckarhausen das Stadtteilmütter-Tandem. „Wir fragen die Teilnehmer auch, was sie sich für die Treffen wünschen oder was wir unternehmen sollen und versuchen das dann umzusetzen“, so Shala. Ein Wunsch war zum Beispiel der Besuch der Neckarhäuser Zweigstelle der Stadtbücherei. „Dort haben wir eine Führung bekommen, bei der man uns alles gezeigt und das Ausleihsystem vorgestellt hat. Eine der Frauen war zum ersten Mal dort und war ganz begeistert“, erzählt Hirning. Das war sicher nicht der letzte Besuch der Frau in der Bibliothek. Und genauso haben sich die Verantwortlichen das Projekt vorgestellt. Die Unternehmungen sollen den Teilnehmerinnen Lust machen und Ideen liefern, wie sie ihre und die Freizeit ihrer Kinder gestalten können. Einen weiteren Ausflug haben die Frauen – bisher hat sich noch kein Mann zu ihren Treffen getraut – schon geplant. Nachdem die Leiterin des Vorschulturnen vom TB Neckarhausen bei einem der Kaffee-Kränzchen berichtet hatte, wie ihre Turnstunden so ablaufen und den Frauen Mut gemacht hat, doch mal mit ihren Kindern zu kommen, werden sie es in Angriff nehmen. „Zu wissen, ich bin nicht alleine dort in der neuen Situation macht die Frauen stark. Gemeinsam gehen sie mit einem ganz anderen Gefühl dorthin“, meint Katrin Fehrle. Sie ist für die Koordination zwischen Bürgerstiftung und Bürgertreff zuständig. Außerdem hat sie die Stadtteileltern im Vorfeld in einer Mentoren-Schulung auf ihre Aufgaben vorbereitet und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Wenn besondere Referenten gewünscht werden oder etwas Organisatorisches zu erledigen ist, ist sie zur Stelle. Sie trifft sich auch alle zwei, drei Monate mit den Stadtteileltern, hier können sie sich gegenseitig von den Erlebnissen und Erfahrungen berichten und lernen voneinander. Das tun die beiden Tandem-Partnerinnen auch bei jedem einzelnen Treffen, sagt Hirning: „Als Kindergarten-Mama kenne ich die Mütter der anderen Kinder zwar ein bisschen, aber Frauen mit Migrationshintergrund haben noch mal einen ganz anderen Draht zu den Teilnehmerinnen als ich. Vielleicht, weil sie bereits ähnliche Erfahrungen im deutschen Alltag gemacht haben.“

 

Aus fünf verschiedenen Ländern kommen die zweisprachigen Stadtteilmütter, unter den Teilnehmern tummeln sich noch mehr Nationen. Im Kindergarten Rossdorf, wo Nathalia Stärk-Klotz aktiv ist, sind die Treffen gerade angelaufen, in der Kirchheimer Vorstadt ist die Ersbergschule mit den Stadtteileltern Tina Wenzel und Andrea Kirchner zentraler Treffpunkt für die Eltern aller Kindergärtenkindern im Einzugsgebiet. Mit Bistra Ivanova, Susanne Martin und Nadeschda Olbricht leiten in der Mörikeschule gleich Frauen die gemeinsamen, wöchentlichen Nachmittage. Dort nehmen die Kindergarteneltern am Treffen der Schul-Elterngruppe teil. „So haben wir auch einen direkten Übergang vom Kindergarten in die Schule. Denn es ist wichtig, dass die Eltern kontinuierlich dran bleiben. Man muss Übergänge schaffen, damit die Mütter und Väter nach der Kindergartenzeit ihrer Sprösslinge nicht wieder alleine dastehen“, findet Fehrle, die zufrieden mit der Entwicklung von „Stadtteileltern/-väter machen’s vor“ ist: „Die Gruppen sind wie schöne kleine Pflänzchen, die langsam wachsen. Das ist für alle Beteiligten wichtig. In den kleinen Gruppen geht keiner verloren und es tut ihnen gut, wenn sie kleine Schritte gehen können.“

 

„Da entsteht was“, ist sich auch Hirning sicher. Ihre Neckarhäuser Teilnehmerinnen geben zu dieser Annahme Hoffnung. In Eigeninitiative haben sie sich vor Weihnachten im Kindergarten verabredet, um für alle Kindi-Kids einen Schneemann zu basteln, den sie kurz zuvor bei ihrem Kaffeekränzchen mit den Stadtteileltern kreiert hatten. Vor Ostern wollen sie den Kindi nun in eine kleine Osterhasen-Bastelfabrik verwandeln, damit alle Kinder ein kleines Kunstwerk bekommen. Außerdem laden die Neckarhäuserinnen im März alle Kindergarten-Eltern zu einem internationalen Frühstück ein. Im Sommer wollen sie dann auch draußen mehr unternehmen, wozu es bisher noch zu kalt war.

 

Die nächste Anlaufstelle für Mütter mit Einwanderungsgeschichte ist bereits in Planung: Im Herbst öffnet ein neues Projekt, das in Kooperation mit dem Haus der Familie auf die Beine gestellt wird, seine Pforten: eine internationale Krabbelgruppe unter der Leitung der Deutsch-Russin Evgeniya Frank, soll dafür sorgen, dass die Mütter früh Anschluss finden und zum Beispiel durch das Singen und Erlernen von Kinderliedern und Abzählversen, ihre Sprachkenntnisse erweitern.

 

 

Die Treffpunkte und Termine aller Gruppen können Interessierte im Bürgertreff Nürtingen, Telefon 07022/75366, Emailadresse buergertreff@nuertingen.de erfragen. Alle Beteiligten freuen sich, wenn in Zukunft neue Eltern – ausdrücklich auch die Väter – an den Treffen teilnehmen.

Stadtteileltern: „Da entsteht was!“