Förderpreise 2008

Förderpreise 2008

Herzlichen Glückwunsch den Förder-Preisträgern 2008

 

Ein Hauch von Casting lag in der Luft im Konferenzzentrum der Volksbank Nürtingen-Kirchheim, als am Dienstag, 14. Oktober, ab dem frühen Abend die Vorstellung der Finalisten des Förderpreises zum Thema Lebensraum Schule stattfand. Aus 14 eingereichten Projekten hatten der Vorstand und

das Kuratorium unter dem Vorsitz von Ulrich Weiß fünf Projekte herausgefiltert. Von der Geschäftsführung zu einem „Projektebuch“ zusammengefasst und von den Mitgliedern im Heimstudium gesichtet, gab es eine lange Auswahlsitzung bis man sich unter den Kriterien „kreativ“, „innovativ“ und „nachhaltig“ auf die fünf Finalisten einigen konnte.

 

Pünktlich um 17.30 Uhr standen Ulrich Storz, Viola Berlin und Annette Gremmelsbacher von der Mörikeschule vor der Jury und präsentierten voll Überzeugung und Herzblut ihr Präventionsprojekt. Bei 600 Schülern, von denen 80 Prozent einen Migrationshintergund haben, sicherlich ein

ganz wichtiger Ansatz. Erlebnisinhalte wollen sie den Kindern durch vielerlei Angebote vermitteln. Zentral ist für sie auch, dass sie die Schule dafür öffnen. Möglichst viele Helfer sollen beteiligt werden, 60 Freiwillige habe man bereits eingebunden, darunter ehemalige Schüler, die inzwischen den Sprung auf weiterführende Schulen geschafft haben, Jugendbegleiter, Bürgermentoren und vor allem auch Eltern. „Vielfalt ist Trumpf und jeder hat Talente und Fähigkeiten, die wir in der Schule gut brauchen können“, ist die Überzeugung der engagierten Gruppe. Besonders beeindruckt zeigten sich die Vertreter der Bürgerstiftung von der Idee eines „interkulturellen Gartens“. Dafür will man ein „Stückle“ pachten und mit möglichst vielen aktiven Kindern, Jugendlichen und Eltern bewirtschaften.

 

Im Halbstundentakt ging es weiter mit der Ersbergschule, die mit einem extra originären Projekt aufwartete und die Endrunde erreichte. Man will eine Patenschaft zu einer Mönchsjungenschule in Likir, Ladakh, Indien aufbauen und dabei die interkulturelle Kompetenz der Hauptschüler stärken. Im direkten Kontakt in englischer Sprache können die Schüler auch noch ihre

Sprachkompetenz erweitern. Kern des Projektes ist aber ein Sozialfonds, der von Schüleraktivitäten und Projekten mit Geld gefüllt werden soll, das dann wiederum auf direktem Weg ins kalte indische Hochland zum Bau und Betrieb einer Solaranlage verbracht werden soll. Die Konrektorin Schäfer-Schraitle und die Lehrer Frau Bartels und Herr Storz traten mit einer perfekten Powerpointpräsentation und einem meditativen Trailer an.

 

Vom fernen Indien brachten dann die Vertreterinnen des Mensavereins der Realschulen, Frau Hermann, Frau Schaich und Frau Allmendinger, die Jury mit ihrem Projekt „Ein warmes Essen für jedes Kind“ in den Nürtinger Alltag zurück. Über 100 Mütter engagieren sich beim Wochen in der Realschulmensa und sorgen so dafür, dass die Schule nicht nur zum Lebensraum, sondern zur Großküche wird. „Lernen geht dabei ganz gehörig durch den Magen“, so die drei Damen. Doch sie haben beobachtet, dass es immer mehr Kinder gibt, die sich ein Essen für drei Euro nicht leisten können. Und deshalb haben sie das Projekt „mensacard für alle“ kreiert. Sie wollen mit dem Preisgeld die mensacard bezuschussen, aber auch die Eltern mit einem Euro beteiligen – ganz im Sinne des Bürgerstiftungsmottos „fördern und fordern“.

 

Als der vierte Finalist, die Bodelschwinghschule, mit Tischen, Geschirr, Kaffee, Keksen und Kellnerschürzen zur Präsentation erschien, war allen klar, dass das ehrwürdige Konferenzzentrum zum Wiener Kaffee-Haus

umfunktioniert wird. An der Schule will man in Zukunft einmal monatlich ein offenes Café anbieten, in das alle kommen können. Besonders denken die Initiatoren an die Realschüler in ihrer Nachbarschaft und die Bewohner der Altenheime. Die Lehrer Track und Göckeler waren die kommentierenden Gäste, eine Bildergeschichte lief im Hintergrund

und die Hauptakteure, sechs Mädchen und Jungen der Bodelschwinghschule, waren mittendrin als Café-Akteure. Bestellungen wurden aufgenommen, Gedecke gerichtet und alle Mitglieder des Vorstands und Kuratoriums perfekt bedient. Man sah strahlende Gesichter

in der Runde und es war das zu spüren, was sich die Bürgerstiftung auf die Fahne geschrieben hat: dieTalente und Ressourcen der Menschen, ob mit oder ohne Handicap, zu fördern und zu unterstützen. Der Volksbankchef Ulrich Weiß star tete auch prompt die Anfrage, ob die Bodelschwinghschüler das Café nicht auch mal in der Schalterhalle der Volksbank anbieten könnten – ganz im Sinne des in der Geschäftswelt viel zitierten Synergieeffekts, in diesem Fall jedoch ohne materielle Gewinnmaximierung.

 

Schließlich stellte Rektorin Helga Wisotzky von der Braikeschule ihr Projekt vor. Es ist eigentlich keine Einzelmaßnahme, sondern ein integriertes Gesamtprojekt der überaus lebendigen Grundschule. Sozialkompetenz

und die Stärkung des Selbstwertgefühls prägen das Leitbild, das an der Schule erarbeitet wurde. Eltern sind wie selbstverständlich in den Schulalltag einbezogen. Die Lage zum Tiefenbachtal wird eingebunden,

die Natur spielt eine große Rolle. Mit Karl-Heinz Frey vom Nabu gibt es eine tolle Kooperation zur Bewirtschaftung einer Streuobstwiese. Darüber hinaus nutzt der Sängerkranz, auf dessen ehemaligem Grundstück die Schule erbaut wurde, Räumlichkeiten, ebenso wie Stadtteilinitiative Braike, woraus sich immer wieder kleinere Kooperationen ergeben. So trifft sich eine sehr aktive Fußballgruppe dort, die TG Nürtingen und die Musikschule tragen zusätzlich zu einer Schule voller Leben und Initiative bei. Zentral ist für Helga Wisotzky das Projekt „Sicher – Mutig – Stark“, das sie gerne ausdehnen würde, rechtzeitig schon in Klasse zwei. Hier sollen die Eltern in Zukunft noch mehr beteiligt werden. Ein richtiges Netzwerk könne daraus werden.

So habe man seit kurzem eine Streitschlichterhütte, die von Zimmerer-Auszubildenden gebaut wurde. Auch hier wäre finanzieller Bedarf, wenn

es um den Innenausbau gehen würde.

 

Die Juroren hatten die Qual der Wahl. Fünf wirklich gute, äußerst kreative Projekte wurden intensiv beraten und schließlich wie folgt bedacht: Die Mörikeschule erhält 6000 Euro, die Ersbergschule 1500 Euro, die Mensamütter dürfen sich über 3000 Euro freuen, das Café der Bodelschwinghschule erhält 2000 Euro und die Braikeschule 2500 Euro. Es werden bestimmte Bedingungen daran geknüpft und die Bürgerstiftung

bietet auch Beratung bei der Umsetzung an. Die Schecks werden übrigens im Rahmen der ersten Bürger-Gala am 27. November in der Stadthalle

K3N überreicht. Dann werden sich die Preisträger auch an Informationsständen präsentieren. „Bingo“ freut sich mit und gratuliert allen Preisträgern ganz herzlich.